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Grundschule Ulrich Schmidl
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Qigong

Besser entspannen und konzentrieren im Unterricht durch Übungen aus dem QiGong
Viele Jahre Erfahrung in der schulpsychologischen Beratung zeigen mir deutlich die Notwendigkeit schon bei den jungsten Schülern nicht nur eine innere Balance zu finden, um ein glücklicher, zufriedener Mensch zu werden und zu bleiben, sondern auch dem häufigen Bewegungsmangel vorzubeugen oder ihn zu reduzieren, die Koordinationsfähigkeit, sowie die Konzentrationsfähigkeit zu verbessern . Lern- und Gedächtnisleistung erhalten eine höhere Wirksamkeit durch ritualisierte Entspannungsphasen. Eine damit erreichte Erhöhung des Selbstwirksamkeitserlebnisses bei den Schülern stabilisiert die Nachhaltigkeit der Lernleistungen. Sowohl die einschlägige Literatur zu diesem Vorhaben, wie auch eigene Erfahrungen führten mich auf die chinesischen Bewegungskünste Qigong und Taiji, deren Wirksamkeit in verschiedenen Studien bei Kindern und Jugendlichen nachgewiesen werden konnte.

Was ist Qigong?
Qigong, ein wichtiger Bestandteil der chinesischen Medizin mit jahrtausende alter Tradition, wurde bei uns in den 90-er Jahren zunehmend bekannter. Qigong ist maßhaltende Lebensführung verbunden mit gesunder Ernährung und deshalb eine aktive Behandlung im Sinne von Selbsthilfe. Es gibt ganz kleine leichte QigongÜbungen bis zu schwierigen wie das Taijiquan.

Das Qi wird als vitale Lebenesenergie verstanden und zugleich belebender Atem. Gong bedeutet Arbeit, beharrliches Üben. Deshalb kann man Qigong als beharrliche Übung oder Pflege der Lebenskraft verstehen, also auf ein achtsames Umgehen mit Körper und Geist. Atem und Bewegung kommen in Einklang zur Erhaltung, Verbesserung und Verlängerung des Lebens. Im traditionellen Verständnis der chinesischen Heilkunst erhalten wir die Lebensenergie Qi durch bewusste körperliche und geistige Ernährung und richtiges Atmen. Durch den Atem versorgen wir unseren Körper mit ausreichend Sauerstoff. Unsere Lebendigkeit, die Aufnahmefähigkeit unseres Gehirns, die Belastbarkeit unseres Nervensystems, die Leistungsfähigkeit insgesamt hängt weitgehend von der Atmung ab. Das einfachste und am leichtesten zugängliche Mittel zur Veränderung der Lebensqualität ist der Atem. Die Einübung einer achtsamen Haltung durch Qigong nimmt Einfluss auf die Persönlichkeitsentwicklung auch bei Kindern und Jugendlichen, wie Studien von Hasenöhrl und Kaltwasser belegen.

QiGong im Unterricht
Die Achtsamkeit als Haltung befähigt auch den Lehrer im Schulalltag mit mehr Freude präsent zu sein und zu den Schülern eine tragfähige Beziehung einzugehen. QiGong gibt die Möglichkeit den Kindern kleine Hilfen an die Hand zu geben durch gemeinsam erlernte Bewegungsübungen, die jeder anwenden kann. Wo es kein „richtig“ oder „falsch“ gibt, können Kinder Lern- und Arbeitssituationen selbstbewusster und mit positiv emotionaler Wirksamkeit bewältigen. Die achtsame Haltung nach innen und außen in den gemeinsam durchgeführten Übungen führt auch zu einem besseren Klassenklima. Der große Vorteil von Qigong-Übungen liegt auch darin, dass außer einem ausreichend großen Klassenzimmer (die Kinder benötigen mindestens in Armlängen Platz um sich herum) keine weiteren Voraussetzungen notwendig sind. Die einzelnen Übungen sind zeitlich und inhaltlich so kurz und prägnant, dass sie sich gut in Unterrichtssequenzen integrieren lassen. QiGong-Übungen dienen der Vorbeugung und Reduzierung von Bewegungsmangel durch gesundheitssportliche Aktivitäten. Dabei fördern die Bewegungen im QiGong das Muskel-Skelettsystem, tragen zum Spannungs- und Stressabbau, sowie zur Entspannung bei.

Demnach kann Qigong im Unterricht als eine achtsamkeitsbasierte Kurzintervention zur Förderung psychischer Gesundheit bei Schülern gelten.

Die Zielgruppe: Klassen der Flexiblen Grundschule 1/2
Diese Modellklassen wurden im Schuljahr 2009/2010 in der Grundschule Ulrich Schmidl in Straubing eingeführt. Die Einführung von neuen Lernformen sollten gezielt durch Qigong-Übungen unterstützt werden. Da die Lehrkräfte, die in dieser Klasse unterrichten selbst keine ausreichenden Kenntnisse zur Durchführung von Qigong hatten, wurde die extern begleitende Qigong-Trainerin, Frau Monika Müller, gewonnen, die auch Erfahrungen im Kinder- und Jugendsport mitbrachte. Zuerst wurden die Übungen im Sportunterricht angebahnt, um sie daran anschließend im Unterricht als Kurzinterventionen einzusetzen.

Die fachliche Begleitung wurde achtmal im Herbst/Winter 2009 und 2010, sowie achtmal im Frühjahr 2010 und 2011 durchgeführt. Die Kosten dafür trägt der Förderverein der Schule.

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Zielsetzungen und Inhalte der extern begleiteten schulischen Maßnahme
Die QiGong-Übungen dienen der

  • Förderung der audiovisuellen, taktilen und kinästhetischen Wahrnehmung
  • Kräftigung und Dehnung des Körpers
  • Verbesserung der Bewegungsverhältnisse
  • Aufrichtung der Wirbelsäule und Stabilisation des gesamten Halteapparates
  • Verbesserung der Entspannungsfähigkeit,
  • Verbesserung der Atmung
  • Reduzierung von Spannungszuständen, Stressabbau
  • Verbindung von körperlicher Beanspruchung mit positivem emotionalem Erleben
  • Förderung der Freude an der Bewegung und der Bereitschaft dazuzulernen

Letztlich führt QiGong zu mehr Bewusstheit, einem besseren Körpergefühl, zu mehr Achtsamkeit und geistiger Klarheit.

Bei den Spiel- und Übungsformen wird neben der Schulung von einzelnen Bewegungen der Körper soweit gestärkt, dass die Kinder sich selbst in der Entspannung nicht kraftlos fühlen (oft ein Grund der Angst vor Entspannung), sondern das Vertrauen gestärkt wird, das Gelassenheit od. Mühelosigkeit nicht gleich Kraftverlust bedeutet.

Die Körperübungen sind dabei gleichzeitig ein Handwerkszeug um sich durch Beobachtung der eigenen Bewegungen bewusster zu werden (z.B. eine Forschungsreise zu sich selbst: „Wie bewege ICH meinen Arm, was für eine Art von Mensch bin ICH?“).

Ein weiteres Ziel ist, sich immer wieder bewusst zu machen, dass es verschiedene Möglichkeiten gibt sich zu bewegen und zum anderen den Körper in eine Position zu bringen, in der er nicht dauernd nur damit beschäftigt ist seine selbst gemachten Fehlhaltungen zu kompensieren (z.B. braucht bei schlechter Haltung der Körper immens viel Energie sich überhaupt nur aufrecht zu halten und der Schwerkraft entgegenzuwirken).

Deshalb liegt besonderes Augenmerk bei allen Übungen auf dem Halteapparat und insbesondere der Wirbelsäule, da dort alle Informationen transportiert werden. Egal ob vom Gehirn in Richtung Körper nach Außen oder von außen über den Körper zum Gehirn – alle Informationen laufen durch den Wirbelkanal. Je beweglicher und gesünder die Wirbelsäule, desto besser die „Informationsübertragung“.

Fließende Bewegungen, langsames Tempo und später die Kombination der Bewegung mit der Ein- und Ausatmung sind die Grundlagen der QiGong-Übungen.

… Üben im Sinne von QiGong heißt,
sich mit besonderen Gegebenheiten auseinanderzusetzen, die eigenen Möglichkeiten und Fähigkeiten kennen zu lernen, es heißt Vertrautheit schaffen. Es bedeutet, Erschlaffung zu überwinden, Beherrschung zu erlangen. … Lernen ist neues Erfahren und an Fehlern wachsen, es heißt, die Grenzen zu verschieben. Man lernt nicht, um zu üben, man übt, um zu lernen.

16 mal 60 Minuten mit Unterstützung der QiGong-Trainerin
Die Kinder werden zuerst mit dem Anfangsritual vertraut gemacht. Zur Einstimmung auf die Qigong-typischen Bewegungsabläufe werden Spiel- und Übungsformen eingesetzt, die durch Gerätearrangements und Kleingeräte unterstützt werden. Als heilgymnastische Übungen aus dem chinesischen Kulturkreis stand das Spiel der 5 Tiere - QiGong im Mittelpunkt. Die Atemübungen sind mit den QiGong-Bewegungen verknüpft. Im letzten Teil der Stunde wird zur Entspannung Qi-Gong im Liegen praktiziert, eingekleidet in eine Körperreise oder Geschichte. Am Ende jeder Stunde steht das Schlussritual. Die Kinder bekommen für jede neue Übung, die einem Tier zugeordnet ist, ein gestaltetes Arbeitspapier, durch dessen Unterstützung sie die Übungen zuhause durchführen können.

Nach sechzehn Einheiten hatte jedes Kind eine Mappe zusammengestellt. Als Motivation für kontinuierliches Weiterüben im Sinne von QiGong legten die Kinder am Ende der Einheiten vor der Trainerin eine „Gürtelprüfung“ ab, den „Kleinen QiGong“ ab. Der Übungszyklus schloss für die Kinder mit und der Verleihung des „Kleinen Qigong“ (einem Zertifikat) ab.

Inzwischen begleitet und unterstützt Qigong den Unterrichtsalltag mit Freude und Erfolg.

Die Zukunft: Qigong für alle
Langfristiges Ziel ist es die Achtsamkeit als Haltung durch Qigong für alle Schüler in allen Klassen anzubieten. Um die Schule an dieses Ziel heranzuführen hat sich eine Arbeitsgemeinschaft aus interessierten Lehrkräften des Kollegiums gebildet, die von der zertifizierten Qigong-Lehrerin fachlich unterstützt wird um die Ideen und Vorhaben in den nächsten Schuljahren umzusetzen.

Nachtrag
Inzwischen wird an der LMU München von Dr. Kohls und Dr. Sauer eine Studie zur Wirksamkeit von Qigong für die psychische Gesundheit von Grundschulkindern durchgeführt. Es werden die Stressbelastung, die Achtsamkeit und die psychische Gesundheit gemessen.